Auch die „Steinleute“, egal ob „einfacher“ Kiesel, oder „besonderer Edelstein“ gelten als Teil der beseelten Natur, als Lebewesen. Auch sie reifen, wachsen und entwickeln sich, wobei die Geburt eines Steines von einer enormen Geräuschkulisse begleitet wird. Auch sie verfügen über einen Geist, eine Seele und sind geprägt von ihrer Umgebung.
Bereits vor Tausenden Jahren, als die Gesetze des Universums auch unter den Menschen respektiert wurden, wussten diese um den Wert eines Steines. Da Steine die Entwicklungsgeschichte der Erde von Anfang an miterlebt haben und somit Zeuge der ganzen Vergangenheit unserer Mutter Erde sind, waren sie unseren Vorfahren Verbündete und Brüder, unsere „ältesten Verwandten“.
Steine (indogermanisch abgeleitet von „stai“ = fest, hart werden) bringen ihre Kraft aus der Tiefe der Erde mit, und ihnen wurde in einigen Kulturen eine enge Verbindung zur weiblichen Erdgöttin zugesprochen.

In verschiedenen Mythen, galten Steine auch als die „Gebeine der Erde“. Der Glaube, aus ihnen Menschen zu erschaffen war somit weit verbreitet. So besagt eine Legende, dass in Griechenland die Überlebenden einer Sintflut kleine Steine über ihre Schulter warfen, um neue Menschen zu schaffen. Der Zusammenhang Fels und Knochen wird beispielsweise durch den Ausspruch „Stein und Bein schwören“ zum Ausdruck gebracht. Noch bis ins Mittelalter wurden Todes- und Unglücksboten von Steinwürfen begleitet aus dem Dorf gejagt, und Grabstätten von Verstorbenen mit Steinhügeln beschwert, damit die Toten nicht als Wiedergänger umherwandelten.

       „Solange du den Kiesel nicht verstehst, strebe nicht nach „Edelsteinen“.  
                                       Unbekannter Verfasser

Steine gelten als Speicher von Botschaften längst vergangener Zeiten. Sie sind kleine Begleiter, sie weisen den Weg oder versperren ihn. Überall in unserem Leben sind sie als ein wesentlicher Bestandteil präsent und werden dennoch oft übersehen oder „mit Füßen getreten“. Sie prägen die Landschaft, lassen die Menschen staunen und ehrfürchtig die Luft anhalten. Man kann sagen, dass die ganze Welt aus Steinen besteht. Wie schnell aber sind sie „geerntet“, verarbeitet und verbraucht. Es ist grausam, wenn man sich die Situation vorstellt, unter denen Steine "gefördert" werden.

Da Steine viel zu erzählen haben, fragen seit Jahrhunderten spirituelle Menschen, die über eine besondere Fähigkeit zur Kommunikation mit Steinwesen verfügen, diese um Rat. Sorgfältig wählen sie allerdings die Steine aus, die bereit sind, mit den Menschen eine Zeit lang zu leben. Oftmals wurden oder werden die Fundorte entsprechender Steine diesen Menschen in ihren Träumen geschenkt - Menschen werden von Steinen gerufen. Als heilige Plätze, wird sich diesen Fundorten nur mit großem Respekt genähert. Es wird eine Gabe gebracht, bevor der Stein mitgenommen wird. 

      „.....Steine sind auch den  ältesten und weisesten Menschen überlegen.“
                             Ausspruch verschiedener Naturvölker

Als schützende Talismane fanden Steine ebenfalls Verwendung. Im alten slawischen Volksglauben sollte mit einem Lochstein, dem sogenannten „Hühnergott“, das Hausgeflügel gegen den weiblichen Hausgeist „Kikimora“ (alte slawische Gottheit) geschützt werden. Ihr wurde nachgesagt, dass sie Fäden spinnt, poltert, und demjenigen, der sie sieht, Unglück bringt. Ebenso soll sie das Hausgeflügel stehlen oder es am Eierlegen hindern. Um diesen bösen Einfluss abzuwehren, muss man einen Stein mit einem natürlichen Loch bei den Ställen aufhängen. Je nach Region, legte man einen Lochstein auch direkt in die Nester von Hühnern.
Im germanischen Brauchtum wurden diese Lochsteine außen an Kuh- und Pferdeställen angebracht. Dort sollten sie böse Geister fernhalten und das Vieh vor Unheil schützen. 

Als „ Hühnergott“ wird ein Stein bezeichnet, der mit einem natürlich entstandenen, durchgehenden Loch versehen ist. In manchen Regionen nannte man die Lochsteine "Truten- oder Schratensteine", dachte aber genau wie beim Hühnergott an die Abwehr von Hexen und Geistern, den "Truten" oder  "Schraten". Entscheidend aber war, das Loch musste auf natürliche Weise entstanden sein.

Lochsteine dienten allerdings auch als Glücksbringer. Wer einen solchen Stein „findet“, der sollte ihn fest in die linke Hand nehmen und so lange um die eigene Achse drehen, bis der Wunsch ausgesprochen ist.

In anderen Volksbräuchen wurden sogenannte „Seelenlöcher“ in Steinkreuze eingearbeitet. Durch dieses Loch gingen dann die unglücklichen Seelen plötzlich Verstorbener ein und aus. Nach uraltem Glauben waren besonders Kreuzwege ein beliebter Aufenthaltsort dieser Geister.

Aber nicht nur den „kleinen“ Steinen, auch den auffallenden Felsen und Bergen wurden spirituelle Kräfte beigemessen. Sie galten als Wohnsitz der Götter, Kraftzentren und Kultstätten, als Orte denen man Respekt entgegenbringt und verehrt. Ihre Entstehung wird oft mythisch gedeutet, da sich an diesen Plätzen Himmel und Erde verbinden. Einer der heute noch existierenden und wohl bekanntesten „Steine“ ist der ULURU („Schattiger Platz“). Dieser große Inselberg aus Sandstein in der zentralaustralischen Wüste ist besser bekannt als der „Ayers Rock“. Dieser Berg ist einem Aborigine - Clan derart heilig, das über gewisse Orte am Berg, wie beispielsweise Höhlen oder Wasserlöcher untereinander nicht gesprochen werden darf. Begehungen werden auch heute noch von den Ureinwohnern nur bei religiösen Zeremonien, als heilige Handlung durchgeführt.

Bei den weniger bekannten „Durchkriechbräuchen“ schlüpften oder „schlupften“ Menschen durch Steine, die über ein Loch verfügten, welches groß genug war durchzukriechen (auch Felsspalten wurden zu diesem Zweck genutzt). Auf diese Weise sollten physische und psychische Leiden abgestreift und Heilungsprozesse unterstützt werden. Frauen nutzten das „Durchschlupfritual“ um einer guten Geburt vorzusorgen. Unter Altären in Kirchen „schlupften“ die Menschen zum Zwecke der spirituellen Reinigung (Verlust der Sünden) von einer Seite auf die andere hindurch. Weitere Gründe eines Durchkriechrituals waren die Sicherung der Gesundheit, Reinigung der Seele, Zurücklassen der Vergangenheit, Umgang mit dem Tod und mehr. 
Auch heute werden einige dieser „Durchkriechbräuche“ noch praktiziert.

Es existieren aber noch weitere, alt hergebrachte Zeremonien oder Rituale, bei denen Steine eine bedeutende Rolle spielen. Bei der Medizinradzeremonie beispielsweise hat jeder Stein seinen besonderen Platz. Zusammen symbolisieren sie die Verbundenheit und das Gleichgewicht allen Lebens. 

Ein weiteres Ritual ist das Schwitzhüttenritual, die Hütte der heiligen Steine. Hier wird die Kraft der Schöpfung eingeladen bei Reinigung und Heilung zu helfen und die Gebete zu tragen. Die „glühenden Großväter“ (Bezeichnung für die Steine) unterstützen dabei, Körper, Geist und Seele zu reinigen.

Auch ein Grabstein hat eine weitaus größere Bedeutung. Er dient dazu, die Erinnerung an einen geliebten Menschen zu erhalten – die Erinnerung an einen Menschen soll so beständig sein wie der Stein. Das bedeutet, dass solange der Stein existiert, der Mensch einen Platz in unseren Gedanken oder unserem Herzen hat.

In der Volksmedizin finden Steine in verschiedenen Therapieformen ebenfalls Anwendung.
Kräfte, die den Steinen innewohnen, werden gegen Krankheiten angewandt. Sie speichern Schwingungen oder Informationen der Umgebung und senden Strahlungen aus, die auf den menschlichen Organismus einwirken.


 
   
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